Um
zu verstehen wie Zähne mittels kieferorthopädischer Geräte
bewegt werden können, schauen wir uns einmal den Zahn in seinem
Kieferknochen an:
Zähne sind nicht fest im Kieferknochen verwachsen. Um den
Kaudruck aufzufangen, sind sie an speziellen Kollagenfasern,
den sog. "Sharpey-Fasern" beweglich aufgehängt.
Auf diese Weise können Belastungen aufgefangen werden, die
sonst den Kieferknochen schädigen können. Winzige Blutgefäße
versorgen den Zahnhalteapparat mit Blut.
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Was
passiert nun, wenn eine Kraft lange Zeit auf den Zahn einwirkt,
wie es bei Zahnspangen der Fall ist?
Normalerweise sind die Sharpey-Fasern immer ein wenig gespannt.
Durch den kieferorthopädischen Druck wird der Zahn in seinem
Knochenfach ("Alveole") ausgelenkt. Auf der Seite,
von der der Druck kommt werden die Fasern gespannt, sie ziehen
am Knochen. Auf der anderen Seite werden die Fasern zusammengedrückt.
Es entstehen also Druck- und Zugzonen.
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Auf
der Seite des ausgeübten Druckes reagiert der Kiefer mit Resorption
(=Auflösung) des Knochens; die Einengung des Spaltraumes ein
Reiz zum Knochenabbau, weil der Zahnhalteapparat den engen
Spalt wieder erweitern möchte. Auf der Zugseite werden die
Fasern in die Länge gezogen; das regt spezielle Zellen zur
Knochenneubildung an, um den erweiterten Spaltraum auszufüllen.
Auf diese Weise kann der Zahn in fast jede gewünschte Richtung
bewegt werden. Wichtig ist nicht die Stärke der Kraft,
sondern die Dauer.
Stärkere Kräfte beschleunigen die Behandlung nicht; im Gegenteil:
Zu starke Kräfte hemmen den Knochenabbau und können die
Zahnwurzel schädigen. Es kommt daher auf die Dauer der
Krafteinwirkung an. Während dies bei festsitzenden Apparaturen
keine Rolle spielt - sie wirken 24 Stunden/Tag -, ist bei
herausnehmbaren Zahnklammern die Mitarbeit entscheidend für
den Erfolg oder Misserfolg der Behandlung. Aus diesem Grund
sollten gerade herausnehmbare Spangen streng nach Anweisungen
des Kieferorthopäden getragen werden. In der Regel wird eine
Tragedauer von 14 - 18 Stunden angeordnet. Das Tragen herausnehmbarer
Geräte über Nacht reicht also nicht aus! |
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Theoretisch
können Zähne in allen Richtungen bewegt und kontrolliert werden.
In der Praxis muß man einige Details beachten; wir kommen dazu
bei den einzelnen Erklärungen. Die folgende Tabelle erlaubt einen
groben Überblick über die möglichen Zahnbewegungen:
Diese Art der Zahnbewegung
ist schon mit einfachen Mittel möglich, meist genügt die Einwirkung
von Kräften auf die Zahnkrone, z.B. durch einen Labialbogen.
Bei einer kontrollierten Kippbewegung ändert sich die Position
der Zahnwurzel nur wenig, während die Zahnkrone in die gewünschte
Richtung ausgelenkt wird. Hierbei ist keine kontrollierte
Gegenkraft nötig. Können falschstehende Zähne durch Kippen
in die richtige Stellung gebracht werden, wird in der Regel
mit herausnehmbaren
Zahnklammern behandelt. Ein Beispiel hierfür wäre
z.B. durch Lutschen hervorgerufene Kippung der Frontzähne
nach vorne.
Selbstverständlich kann diese Bewegung jedoch auch mit festsitzenden
Apparaturen behoben werden, dann aber meist in Verbindung
mit anderen, kritischeren Korrekturen. |
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Merkmal dieser Art
von Zahnbewegung ist die parallele Bewegung von Zahnkrone
und Wurzel. Mit Hilfe der körperlichen Zahnbewegung
können z.B. Zahnlücken nach Extraktionen geschlossen werden.
Man benötigt hierfür neben der Kraft an der Zahnkrone eine
Ausgleichskraft, die dafür sorgt, daß die Wurzel sich in der
gleichen Richtung bewegt. Fehlt diese Kraft, wäre die Bewegung
wieder eine reine Kippbewegung. Diese Ausgleichende Kraft
kann nur mit Hilfe von Brackets
unter Verwendung von rechteckigen Drähten, den sog. "Vierkantbögen"
erreicht werden. Durch den festen Sitz des Bogens in dem Bracket
kann der Zahn am Bogen entlanggeführt werden, eine Kippung
wird so verhindert. |
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Eine völlig andere
Art der Kippbewegung ist die Wurzelbewegung oder "Torque".
Während die Zahnkrone in der Ausgangsstellung bleibt, wird
die Wurzel gekippt. Diese Bewegung kann nur mit festsitzenden
Apparaturen in einem Vierkantbogen erreicht werden. Um Torque
zu erreichen wird der Vierkantbogen in sich verdreht und unter
Spannung in das Bracket eingesetzt. Das Bracket gibt diese
drehende Kraft auf den Zahn weiter, wobei der Zahn durch den
Draht auf der Stelle gehalten wird.
Diese Art der Bewegung wird z.B. zum Aufrichten von unteren
Schneidezähnen gebraucht. Wichtig ist für den Kieferorthopäden,
daß er die Kraftgröße richtig einschätzen kann, damit er Schäden
an den Wurzeln durch Resorption
verhindert. |
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Diese Art der Zahnbewegung
ermöglicht die Korrektur von vertikalen Fehlstellungen. Sie
ist wiederum nur mit Hilfe von festsitzenden Geräten möglich.
Durch spezielle Biegungen im Drahtbogen können Zähne aktiv
"verkürzt" (=intrudiert) oder "verlängert"
(=extrudiert) werden. Die Zahnbewegung muß sehr vorsichtig
und mit wenig Druck durchgeführt werden, damit der Zahnhalteapparat
nicht überlastet wird.
Ex- oder Intrusionen werden zumeist zu Beginn der MB-Behandlung
mit Hilfe sehr dünner, elastischer Drahtbögen durchgeführt.
Strenggenommen werden bei jeder MB-Behandlung vertikale Korrekturen
vorgenommen, da sich am Ende der Behandlung alle Brackets
auf gleicher Höhe befinden müssen. Diese vertikale Korektur
zur Ausbildung eines harmonischen Zahnbogens nennt man "Nivellieren". |
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Die Regulierung
von gedrehten Zähnen ist die letzte von uns betrachtete Zahnbewegung.
Rotierte Zähne nehmen im Seitenzahnbereich mehr Platz ein
als korrekt stehende Zähne, außerdem wirken gedrehte Zähne
gerade im Frontzahnbereich ästhetisch störend. Der Kieferorthopäde
wird deshalb schon früh mit der Derotation der betroffenen
Zähne beginnen. Während nur gering rotierte Frontzähne auch
mittels herausnehmbarer Geräte korrigiert werden können, sind
hochgradige Rotationen und Drehstände im Seitenzahnbereich
nur mit Hilfe festsitzender Apparaturen zu regulieren, da
das geklebte Bracket dem Drahtbogen eine bessere Angriffsfläche
bietet. Stark rotierte Seitenzähne müssen manchmal noch mit
Metallbändern versehen
werdenm; so kann die Kraft zusätzlich über Gummizüge von der
Gegenseite auf den Zahn gebracht werden. |
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