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Der Aktivator ist das klassische FKO-Gerät.
1927 von ANDRESEN/HÄUPL entwickelt, erfreut er sich im europäischen
Raum immer noch großer Beliebtheit. Der Aktivator gehört
zu der Gruppe der starren bimaxilliären Geräte, besitzt
also weder aktive noch elastische Elemente.
Das obige Bild zeigt einen klassischen Aktivator, wie er auch heute
noch zum Einsatz kommt. Zu erkennen ist neben den Labialbögen,
welche aus 0,8 mm federhartem Draht gebogen werden, auch die von
PETRIK eingefügten Abstützdorne, ebenfalls in 0,8 mm Draht
(fh). Eine transversale Schraube kann ebenfalls eingebaut werden,
jedoch ist diese nicht für die aktive Dehnung der Kiefer gedacht,
sondern dient der Anpassung des Gerätes an den sich im Wachstum
befindlichen Mundraum.
Der Aktivator liegt lose im Mund und wird durch Muskeltätigkeit
in Bewegung gehalten. Dabei bringt er den Unterkiefer in die im
Konstruktionsbiss festgelegte therapeutische Lage. Das Tragen des
so eingestellten Aktivators bewirkt in der Folge unter Ausnutzung
des Wachstums eine Positionsänderung von Ober- und Unterkiefer.
Die Behandlung einer Distalbisslage mit vergrößerter
sagittaler Frontzahnstufe ist ein Haupteinsatzgebiet des Aktivators.
Um eine Korrektur der Dysgnathie zu erreichen, wird der Unterkiefer
zunächst durch den Konstruktionsbiss in eine Position gebracht,
in welcher die Neutralverzahnung im Molarenbereich eingestellt ist.
Es wird dabei empfohlen, den Unterkiefer zunächst nicht mehr
als 7-8 mm nach ventral (="vorne") zu verlagern, damit
das Gerät vom Patienten noch akzeptiert wird. Bei einer Rücklage
des Unterkiefers um mehr als eine Prämolarenbreite (PB) wird
die Anfertigung eines weiteren Gerätes empfohlen.
Durch die Einstellung des Konstruktionsbisses erfolgt zunächst
eine Verlagerung des Gelenkköpfchens aus seiner zentralen Position
nach ventral (="vorne") und kaudal (="unten").
Zu Beginn der Behandlung ist diese neue Unterkieferposition nur
muskulär geführt; das bedeutet, dass der Unterkiefer nach
dem Herausnehmen der Apparatur wieder in seine alte Position zurückgleitet.
Nach ca. 2-3 Monaten beginnt sich der Patient zunehmend an die neue
Position zu gewöhnen, es kommt bei Kontrollterminen zum dualen
Biss ("Sonntagsbiss"); der Patient wird zunehmend unsicher,
was seine "normale" Unterkieferposition betrifft.
Nach ca. 6 Monaten hat sich der Patient (ausreichende Mitarbeit
vorausgesetzt) so an die neue Unterkieferposition gewöhnt,
dass diese jetzt neuro-muskulär konditioniert ist. Nun kommt
es zunehmend zu Umbauvorgängen im gesamten Gebisssystem (knöcherner
Unterkiefer mit den Alveolarfortsätzen, den Kiefergelenken
und der orofazialen Muskulatur).
Der Aktivator bewirkt also folgende Veränderungen:
Um diese Eigenschaften zu nutzen, sollte eine Klasse II/1-Behandlung
deutlich vor dem pubertären Wachstumsmaximum begonnen werden,
um die Bildung eines permanennten Sonntagsbisses zu verhindern.
Als Nachteil wird die Gefahr einer unerwünschten Protrusion
(also den "nach-vorne-Kippen) des UK Frontzahnsegments angesehen
(Bild rechts). Eine Umfassung der Scheidekanten der unteren Frontzähne
versucht, dieser Gefahr entgegenzutreten. Ob der Effekt allerdings
vollständig ausgeglichen werden kann, bleibt fraglich.
Die obigen Bilder zeigen ein weiters Beispiele für einen Aktivator.
Im Gegensatz zu aktiven Platten ist der Labialbogen in der sogenannten
Sperrzone im Kunststoff verankert. Die Sperrzone ist der Bereich
zwischen Ober- und Unterkiefer, der ja durch den Kunststoffkörper
verbunden wird. Daher kommt auch der Ausdruck "Bimaxilläres
Gerät". Bimaxillär = Beide Kiefer umfassend.
Der Aktivator sollte aufgrund der Abmessungen und der damit verbundenen
Beeinträchtigungen der Sprache nicht in der Schule oder beim
Sport getragen werden. Eine Tragezeit von 14 Stunden pro Tag hat
sich klinisch bewährt.
Soll der Aktivator zur passiven Bisshebung verwendet werden, ist
zu beachten, dass ein Einschleifen frühenstens 6 Monate nach
Eingliederung durchgeführt werden sollte! Erst dann kann das
Gerät vom Patienten muskulär stabilisiert werden ohne
dass es "aussteigt" (z.B. Verlust im Schlaf); gleichzeitig
verringert sich die Gefahr unerwünschter Protrusionen der Unterkieferfront.
Bei Patienten, deren oberen Frontzähne zu stark über
die unteren beissen, haben wir es mit einem sog. Tiefbiss zu tun.
Mit Hilfe eines Aktivators kann dieser Tiefbiss behoben werden:
Nach 6-monatiger Tragezeit hat sich der Patient an den Aktivator
gewöhnt. Nun wird der Kunststoff der Sperrzone im Bereich der
Seitenzähne entfernt - der Aktivator wird eingeschliffen. Die
Backenzähne hängen also quasi "in der Luft".
Nicht mehr durch die Sperrzone abgestützt, entwickeln sich
die Alveolarfortsätze beider Kiefer aufeinander zu; durch die
weiterhin bestehende Sperrung im Frontzahnbereich wird das Seitenzahnsegment
abgesenkt. Diesen Vorgang nennt man "passive Bisshebung".
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