Wie wird die feste Zahnspange eingesetzt?

Im Gegensatz zu den herausnehmbaren Zahnspangen, die im Labor gefertigt werden, muß die festsitzende Apparatur - zumindest in der Regel - direkt am Patienten eingesetzt werden. Das Einsetzen ist ein aufwendiger Vorgang, der normalerweise zwischen eineinhalb und drei Stunden dauert. Aus diesem Grund wird die festsitzende Klammer fast immer vormittags eingesetzt - so werden Störungen durch Kontrolltermine verhindert. Im folgenden wird der Ablauf für das Einsetzen einer festen Klammer erläutert:

1. Separieren
Sollen Zähne mit Metallbändern versehen werden, so ist es häufig nötig, vorher ein wenig Platz zu schaffen. Dafür werden ein paar Tage vorher zwischen die betreffenden Zähne kleine Gummiringe - die sog. "Separierringe" gesetzt. Sie drängen in den nächsten Tagen die Zähne ein wenig auseinander und ermöglichen so das problemlose Bebändern der Zähne. Ein paar Stunden nach dem Einsetzen der Separiergummis verspüren viele Patienten ein unangenehmes Druckgefühl auf den Zähnen. Durch die Rückstellkraft der Ringe werden die Zähne auseinandergerückt, was zu Überempfindlichkeit und - gerade beim Kauen - zu Schmerzen führen kann. Von vielen Patienten wird die Separation deshalb als die unangenehmste Prozedur der gesamten Behandlung empfunden. Nach den ersten Tagen lässt der Druck jedoch allmählich nach, so daß bis zum "Einsetztermin" keine weiteren Probleme auftauchen sollten.

Zähne mit Separiergummis

2. Professionelle Zahnreinigung
Ist der "große" Tag gekommen, werden zunächst die Zähne mit kleinen Bürstchen und Polierpaste gründlich gereinigt und poliert. Da an den Klebestellen in nächster Zeit nicht mehr gereinigt werden kann, ist eine saubere Zahnoberfläche unbedingt notwendig.

3. Bänder
Früher konnten Brackets noch nicht auf die Zähne geklebt werden. Zu dieser Zeit musste jeder Zahn mit einem dünnen Metallband versehen werden, wenn eine festsitzende Apparatur angefertigt wurde - daher der Name "Multibandapparatur". Heute verwendet man Bänder nur noch dann, wenn spezielle Geräte an den Zähnen verankert werden muß, wie z.B. ein Headgear oder eine Quad-Helix. Dafür werden Bänder zumeist auf die ersten großen Backenzähne (die "1. Molaren") zementiert. Das Band besteht aus einem ca. 0.1 mm starken Metallring, an welchem das eigentliche Bracket aufgeschweißt wird.
Werden Bänder für die Apparatur benötigt, so müssen sie zunächst an die jeweilige Zahnform angepasst werden, damit sich später kein Spalt bildet, an dem Plaque haften bleiben könnte.
Metallband für Molaren
3a. Band mit Zement beschicken
Das fertig angepasste Band wird mit Zement beschickt. Die aufgeschweißten Elemente werden mit Wachs oder Fettstift vor dem Zement geschützt, damit sich dieser nicht in die kleinen Röhrchen und Nischen gelangen kann.
Metallband mit Zement beschickt
3b. Band setzen
Das mit Zement gefüllte Band wird locker auf den Zahn gedrückt. Nun muß der Patient auf ein spezielles Instrument beißen, damit das Band in die richtige Position gedrückt wird (siehe Bild). Letztendlich wird das Band vom Kieferorthopäden mit Bandaufsetzern in die endgültige Position gebracht. Nun werden die Zementüberschüsse entfernt und nach Spalten gesucht. Sitzt das Band in der korrekten Position, wurde es früher mit Zinnfolie abgedeckt, damit der Zement nicht durch Speichel oder Luft beim Härten (="Abbinden") gestört wird. Bei neueren Zementen ist dies nocht mehr notwendig.
Aufsetzen des Bandes auf den Zahn
4. Anätzen der Zahnoberfläche
Nach dem Setzen der Bänder (falls notwendig) kann mit dem Kleben der Brackets begonnen werden.
Zunächst wird auf jeden Zahn ein spezielles Gel aufgetragen. Es rauht die Oberfläche des Zahnes ein wenig auf, damit der Bracketkleber Halt findet. Das Gel muß ca. 1 Minute auf jeden Zahn wirken, damit die Oberfläche rauh genug ist.
Applikation von Ätzgel auf den Zahn
5. Abspülen und Trocknen
Nach der Ätzung wird das Gel mittels Wasserspray gründlich abgespült, danach muß der Zahn mit Druckluft getrocknet werden. Nach der Trocknung darf der Zahn nicht mehr mit Speichel in Berührung kommen, sonst kann der Kleber nicht richtig halten.
Abstülen des Ätzgels vom Zahn
6. Bracket mit Kleber versehen
Nun wird das Bracket auf der Unterseite mit Kleber beschickt. Diese Arbeit erledigt normalerweise die Helferin. Bei manchen Klebesystemen muß außerdem noch eine Flüssigkeit auf die Zahnoberfläche gebracht werden; sie aktiviert die Härtung, wenn das Bracket auf dem Zahn sitzt.
Kleber wird auf die Bracketbasis aufgebracht
7. Das Setzen des Brackets
Das Bracket wird entweder mit einem speziellen Positionierinstrument (Bild 1) oder mit einer Pinzette (Bild 2) auf den betreffenden Zahn gesetzt. Das Setzen der Brackets erfordert höchste Genauigkeit, wird das Bracket zu hoch oder zu tief gesetzt, kann es vorkommen, daß die Zähne am Schluss nicht auf gleicher Höhe stehen. Tritt dieser Fall auf, so muß entweder das Bracket umgeklebt werden oder der Drahtbogen durch zusätzliche Biegungen angepasst werden.
Das Bracket wird positioniert

Bracket für den Eckzahn wird positioniert

8. Kontrolle der Bracketposition
Solange der Kleber noch nicht hart wird, kann die Position des Brackets mit einem Instrument noch korrigiert werden. Die meisten Bracketsysteme müssen in der Mitte der Zahnkrone aufgeklebt werden. Das muß (wie hier im Bild) bei noch nicht vollständig durchgebrochenen Zähnen berücksichtigt werden. Zur Positionierungshilfe gibt es auch spezielle Messlehren, so kann der Kieferorthopäde die Position genau kontrollieren.
Die Höhe des Brackets wird kontrolliert

Die Neigung des Brackets wird kontrolliert

9. Einsetzen des ersten Drahtbogens
Nachdem alle Bänder gesetzt und alle Brackets geklebt sind, kann der erste Drahtbogen eingesetzt werden. Dieser ist sehr elastisch, damit er anfangs nicht zu großen Druck auf die Zähne ausübt. Mit Hilfe einer Zange wird der Draht in das Röhrchen gesteckt, welches auf den Bändern sitzt. 
Mit einer How-Zange wird der Drahtbogen in das Röhrchen geführt

10. Setzen der Alastiks
Alastiks sind Gummiringe, die mittlerweile in den verschiedensten Farben erhältlich sind. Sie fixieren den Drahtbogen im Bracket, damit dieser die Zahnbewegung durchführen kann. Mit einer Pinzette wird über jedes Bracket solch ein Ring gezogen.

Manchmal werden statt der Ringe auch Metalldrähte - die sog. "Ligaturen" verwendet. Diese haben den Vorteil, dass man die Kraft, mit der der Drahtbogen im Bracket gehalten wird, fein dosieren kann. Außerdem verfärben Drahtligaturen nicht - im Gegensatz zu hellen Alastiks, die bei Verzehr farbstoffhaltiger Nahrung binnen weniger Tage verfärben können.

Der Bogen wird mit Alastics fixiert
11. Fertig!
Jetzt ist die festsitzende Apparatur einsatzbereit. Der Drahtbogen gibt den Druck über die Brackets auf die Zähne weiter, welche sich dadurch in die richtige Stellung bringen lassen. 

Das Einsetzen einer festen Klammer ist nicht schmerzhaft. Durch die Wirkung des Drahtbogens kann es aber gerade in den ersten Tagen nach dem Einsetzen zu unangenehmen Druckgefühl auf den Zähnen kommen. Überempfindlichkeit und Schmerzen können die Folge sein. Der Druck wird aber nach 2-4 Tagen deutlich nachlassen, ein paar Tage später wird man gar nichts mehr spüren. Auch können in den ersten Tagen wunde Stellen an Lippen und Wangen auftreten. Dies kommt durch die noch "ungewohnten" Brackets. Hierfür gibt der Kieferorthopäde weiches Wachs mit, mit dessen Hilfe man die scharfen Kanten der Brackets abdecken kann. 

Im großen und Ganzen sollte eine Multiband-Behandlung schmerzarm ablaufen, sieht man mal von den ersten Tagen nach dem Einsetzen und ein wenig Druck beim Bogenwechsel ab. Sollten sich aber starke Schmerzen einstellen, die auch nach ein paar Tagen noch nicht verschwunden sind, sollte der Kieferorthopäde aufgesucht werden.

Fertig eingesetzte Bracketapparatur

 

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