Vor- und Nachteile festsitzender Apparaturen

Während die festsitzende Zahnklammer in den 80er Jahren in Deutschland nur wenig eingesetzt wurde, hat sie in der heutigen Zeit ihren angestammten Platz in der Kieferorthopädie. Auch die Akzeptanz dieser Apparaturen hat in den letzten Jahren stark zugenommen, so daß die wenigsten Patienten diese Behandlungsmethode ablehnen. Dem Kieferorthopäden wird ein Behandlungsinstrument in die Hand gegeben, mit dem er durch kontrollierte Zahnbewegung in allen Raumrichtungen auch schwierige Fälle beherrschen und behandeln kann.


Die festsitzende Apparatur besitzt eine Reihe von Vorteilen, die im Folgenden kurz beschrieben werden sollen:

Vorteile:

Die "feste Spange" wirkt 24 Stunden.
Die Brackets werden vom Kieferorthopäden fest auf die Zähne geklebt, so daß die Apparatur während der gesamten Behandlungszeit im Patientenmund verbleibt. Durch die kontinuiertliche Wirkung der Drahtbögen können Zähne in der Regel schneller in Position gebracht werden, als das bei herausnehmbaren Geräten der Fall ist. Die Gesamtbehandlunngszeit ist bei Multibandbehandlungen i.d.R. geringer als bei Behandlungen, die nur mit herausnehmbaren Geräten durchgeführt werden.
In früheren Jahren waren einige Behandler der Meinung, festsitzende Apparaturen bei Patienten anwenden zu können, die eine unzureichende Mitarbeit beim Tragen der herausnehmberen Apparaturen zeigten. Dies wird heute mehrheitlich abgelehnt, und zwar aus folgenden Gründen:

  • Bei ungenügender Mitarbeit des Patienten kann nicht mit einer ausreichenden Mundhygiene gerechnet werden. Dadurch stellen die Brackets eine große Gefahr für den gesamten Zahnbestand dar, weil schlechte Mundhygiene z.T. verheerende Folgen für den Patienten haben kann. An den Rändern der Brackets und Bändern sammelt sich Plaque, welche nur mit großem Aufwand entfernt werden kann. Der Einsatz von Multibandapparaturen bei schwierigen Patienten muß daher unterbleiben.
  • Bei den meisten Multibandbehandlungen werden zeitweise Hilfsteile - wie z.B. Gummizüge - benötigt. Diese werden vom Patienten selbst eingesetzt und müssen streng nach Anweisung getragen werden, da ansonsten das Behandlungsergebnis schnell verfehlt wird. Hier ist also wieder die Mitarbeit des Patienten gefragt. Versagt diese, kann im Extremfall die gesamte Behandlung sinnlos werden.
  • Aus diesen Punkten wird ersichtlich, daß eine festsitzende Apparatur nur bei zuverlässigen und fleißigen Patienten angewandt werden sollte.

Die Zähne können in allen Raumrichtungen kontrolliert werden.
Im Gegensatz zu herausnehmbaren Plattenapparaturen, die nur kippende Zahnbewegungen durchführen können, sind mit festen Apparaturen auch körperliche Bewegungen, Rotationen und das Heraus- und Hineinbewegen von Zähnen möglich. Die feste Klammer eignet sich also für eine große Vielzahl von Fehlstellungen, während die herausnehmbaren Geräte in vielen Fällen nicht als einziges Behandlungsmittel ausreichen.
Informationen über die einzelnen Zahnbewegungsarten erhalten Sie hier.

Die feste Klammer behindert nicht beim Sprechen
Bedingt durch die Kunststoffplatten kann das Sprechen mit herausnehmbaren Klammern beeinträchtigt sein. Die Aussprache lässt sich durch regelmäßiges Sprechen zwar verbessern, oftmals aber nicht vermeiden. Da bei einer festen Klammer die Brackets im Normalfall außen auf die Zähne geklebt werden, hindert die feste Apparatur nicht beim Sprechen. Eine Einschränkung stellt in diesem Zusammenjang der Gebrauch weiterer Hilfsteile - wie z.B. dem Quad-Helix - dar. Aber auch mit diesen Geräten wird die Sprache nach der Eingewöhnungszeit von 2-3 Wochen i.d.R. nicht mehr beeinträchtigt sein.


Kommen wir nun zu den Nachteilen einer festsitzenden Apparatur.

Nachteile:

Die Behandlung mit einer festen Klammer kann schmerzhaft sein.
Gerade zu Beginn der Behandlung, wenn Zähne noch über weite Strecken bewegt werden müssen, kann die Wirkung des Drahtbogens Überempfindlichkeiten und Druckschmerz der Zähne verursachen. Nach 2-4 Tagen sollten sich die Zähne jedoch an die Klammer gewöhnt haben, so daß der Schmerz nachlässt. 
Auch beim Wechsel des Drahtbogens können wieder kurzzeitig Druckschmerzen entstehen, da hier auf einmal  wieder stärkere Kräfte auf die Zähne einwirken.
Gerade in der ersten Zeit können Wangen und Lippen durch die Reibung an den Brackets wund sein, was ebenfalls unangenehm ist. Aus diesem Grund bekommt der Patient weiches Wachs vom Kieferorthopäden, mit dem er die scharfen Kanten der Brackets abdecken kann, bis sich die Weichgewebe an die Klammer gewähnt haben. 

Schäden an den Zahnwurzeln können nicht mit letzter Sicherheit vermieden werden.
Im Gegensatz zu den Plattenapparaturen, welche nur intermittierend - d.h. mit zeitlichen Pausen - wirken, entfalten die festsitzenden Apparaturen ihre Wirkung ständig. Ein falsch gewählter oder eingestellter Bogen kann die Zähne also ständig überbelasten, was neben dem erwünschten Knochenumbau auch einen übermäßigen Abbau der Zahnwurzeln hervorrufen kann - die sog. Wurzelresorption
In der modernen Kieferorthopädie werden deshalb gerade zu Beginn der Behandlung sehr dünne und hochelastische Bögen eingesetzt, die die Gefahr einer Wurzelschädigung praktisch ausschließen. Trotzdem ist eine solche Resorption bei kieferorthopädischen Behandlungen möglich, in den meisten Fällen tritt sie jedoch in klinisch vernachlässigbarer Größenordnung auf.

Die Zahnpflege ist mühevoll und aufwändig.
Jeder, der schonmal eine feste Klammer getragen hat, weiß es: Das Zähneputzen nach jedem Essen ist eine langwierige Angelegenheit. Die vielen Ecken und Nischen zwischen Brackets und Bändern sind ein willkommener Platz für Plaquebildung. Die Zahnpflege mit festesitzenden Apparaturen setzt ein hohes Maß an Ausdauer und Geduld voraus, sonst ist die Gefahr groß, daß sich an den Rändern der Brackets oder Bänder Karies bildet.
Eine gute Mundhygiene ist nicht unter 10 Minuten zu schaffen! Der Genuß von faserigen Speisen wie z.B. Ananas oder Blattspinat kann die Putzzeit schnell verlängern. Neben sog. Ortho-Bürsten kommen auch Interdental- und Sulkusbürsten zum Einsatz.
 

Die feste Klammer kann ästhetisch beeinträchtigen.
Obwohl die feste Klammer inzwischen keinen Makel mehr darstellt, werden gerade silberne Brackets von manchen Patienten als unästhetisch angesehen. Häufig wird deshalb bei erwachsenen Patienten der Einsatz von zahnfarbenen Brackets oder sog. "Lingualbrackets" in Erwägung gezogen. Letztere werden innen auf die Zähne geklebt und sind so für andere Personen unsichtbar. Dieser Vorteil wird jedoch durch z.T. erhebliche Sprachstörungen wieder zunichte gemacht. Weitere Informationen über die verschiedenen Bracketsysteme finden Sie hier.


Fazit:
Obwohl die festsitzende Apparatur gerade bei schwierigen Fehlstellungen meist das Mittel der Wahl sind, sollten sie nicht pauschal angewandt werden, da die o.g. Nachteile nicht außer acht gelassen werden können. Wenn eine Fehlstellung durch eine herausnehmbare Apparatur zu korrigieren ist, sollte dieses Behandlungsmittel bevorzugt werden.
Der Kieferorthopäde wird nach genauer Diagnose die Behandlungsgeräte wählen, welche die Fehlstellung beseitigen und den Patienten möglichst wenig belasten. Oftmals werden sowohl herausnehmbare - als auch feste Klammern während einer Behandlung verwendet; hierdurch kann die Gesamtbehandlungsdauer i.d.R. kurz gehalten werden.

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