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In Deutschland werden
zur Zeit mehrere Millionen Patienten mit herausnehmbaren Zahnklammern
behandelt. Einige Fragen tauchen in diesem Zusammenhang immer wieder
auf, so daß wir auf sie näher eingehen möchten.
Herausnehmbare
Apparaturen verursachen im Normalfall keinerlei Schmerzen. Durch
die Konstruktion der Geräte kann eine Überbelastung der Zähne -
und damit Schmerzen - relativ sicher vermieden werden. Nach dem
Aktivieren der Bewegungselemente ("Nachstellen") kann
der Patient einen leichten Druck auf den Zähnen verspüren, dieser
ist jedoch nicht so stark, daß Schmerzen empfunden werden. Wird
die Klammer nach dem Aktivieren weiter getragen, verschwindet das
Druckgefühl innerhalb weniger Stunden.
Was allerdings gerade bei neuen Spangen vorkommen kann, sind Druckstellen,
die durch die Kunststoffplatte verursacht werden. Diese befinden
sich häufig im Frontzahnbereich des Unterkiefers und können sehr
unangenehm sein. Hier muß der Kieferorthopäde benachrichtigt werden;
er schleift die Platte an dieser Stelle ein wenig ab, so daß sie
nicht mehr auf Zahnfleisch und Weichgewebe drückt.
Wie lange eine
kieferorthopädische Behandlung dauert, kann nur nach gewissenhafter
Auswertung jedes einzelnen Falles geschätzt werden. Während kleinere
Bewegungen von einzelnen Zähnen in relativ kurzer Zeit erreicht
werden können, benötigen große Korrekturen von Kieferfehlstellungen
zum Teil viele Jahre. Im Normalfall ist eine Behandlungsdauer zwischen
9 Monaten und z.T. mehr als 4 Jahren erforderlich. Gerade die langen
KFO-Behandlungen erfordern eine sehr gute Mitarbeit des Patienten;
sie kann nur durch andauernde Motivation über eine so lange Zeit
aufrecht erhalten werden.
Bei komplizierten Fehlstellungen wird der Kieferorthopäde entscheiden,
ob eine Behandlung mit festsitzenden Geräten erforderlich ist. Durch
sie können selbst Fälle beherrscht werden, die mit herausnehmbare
Spangen nicht mehr zu beherrschen sind.
Nein. Die Klammer
soll nicht während des Essens getragen werden; in der Regel ist
dies auch nicht möglich, da die Kunststoffplatte ein vernünftiges
Zerkleinern der Nahrung erheblich erschwert.
Die einzige Ausnahme, die es hier gibt: Beißen die Schneidezähne
falsch übereinander kann es vorkommen, daß die Klammer während der
Bissumstellung auch während der Mahlzeiten getragen werden muß.
Dies wird der behandelnde Kieferorthopäde dann jedoch ausdrücklich
anordnen.
Ja, und zwar
üben, üben, üben. Die Zunge braucht eine gewisse Zeit, um
sich an die beengten Verhältnisse anzupassen. Durch Sprechübung
kann aber in den meisten Fällen innerhalb 2 Wochen eine gute und
deutliche Aussprache erreicht werden. Deshalb ist es aber wichtig,
daß gerade in der Anfangszeit der Behandlung jede Möglichkeit genutzt
wird, um mit der Klammer im Mund zu sprechen. Auch lautes Lesen
ist eine hervorragende Übung zur Verbesserung der Aussprache. Anfangs
ist es ganz ratsam, ein wenig langsamer als gewöhnlich zu sprechen;
so kann die neue Zungenhaltung besser eingeübt werden.
Wenn wir Nahrung
zu uns nehmen, beginnt - durch den Reiz des Nahrungsbissen - automatisch
der Speichelfluss. Durch den Speichel beginnt wird die Verdauung
in Gang gesetzt, außerdem wird der Nahrungsbissen "gleitfähig",
so daß er problemlos geschluckt werden kann.
Viele Patienten haben am Anfang der Behandlung einen erhöhten Speichelfluss.
Das liegt daran, daß auch die Zahnklammer einen Reiz darstellt,
der die Speicheldrüsen anregt (Diese können natürlich nicht zwischen
"Essen" und "Klammer" unterscheiden!). Wird
die Klammer fleißig getragen, gewöhnt sich der Mundraum an die neuen
Verhältnisse - der Speichelfluss normalisiert sich innerhalb 2-3
Wochen. Ist die Mitarbeit jedoch nicht ausreichend - wenn z.B. die
Klammer nur nachts getragen wird - wird stellt nie eine Gewöhnung
ein. Deshalb gilt gerade in der Anfangszeit der Behandlung: Zuviel
tragen gibt es nicht!
Die Rechnung
ist einfach:
- Der Tag hat 24 Stunden.
- Wird die Klammer getragen, werden die Zähne in die richtige Stellung
gebracht.
- Wird die Klammer nicht getragen, verschieben sich die Zähne
wieder in die falsche Stellung!
Daraus folgt rein rechnerisch:
Möchte man also einen Fortschritt
erreichen, muß die Klammer deutlich länger als 12 Stunden pro Tag
getragen werden. Mindestmaß sind hier 14 Stunden pro Tag!
Normalerweise ordnet der Kieferorthopäde eine Tragedauer von 14-16
Stunden/Tag an, das ist ein guter Kompromiss zwischen Behandlungsdauer
und privaten Interessen des Patienten (z.B. Schulzeit).
Eine Mitarbeit kann als optimal bezeichnet werden, wenn die
Zahnspange nur beim Essen und beim Zähneputzen herausgenommen wird.
Das entspricht einer Tragedauer von ca. 20 Stunden/Tag. In diesem
Fall können schnellstmögliche Ergebnisse erwartet werden.
Vom Prinzip her ist
die Behandlung Erwachsener möglich, da Zähne noch bis ins hohe Alter
bewegt werden können. Allerdings werden Erwachsenenbehandlungen
mit herausnehmbaren Geräten die Ausnahme sein, und zwar aus folgendem
Grund:
Mit herausnehmbaren Geräten können nur kippende
Zahnbewegungen durchgeführt werden. Das ist bei Kindern und Jugendlichen
nicht das Problem, da sie sich noch im Wachstum befinden und der
Kiefer dementsprechend mitwächst. So können im Kindesalter viele
Fehlstellungen mit herausnehmbaren Zahnspangen korrigiert werden.
Bei erwachsenen Patienten ist das Schädelwachstum praktisch abgeschlossen.
Ausgeprägte Zahnfehlstellungen können nur noch mit körperlichen
Bewegungen korrigiert werden; dies erfordert den Einsatz festsitzender
Geräte. In einigen wenigen Fällen ist die Fehlstellung jedoch so
klein, daß auch Erwachsene mit herausnehmbaren Zahnspangen behandelt
werden können. Dies ist jedoch die Ausnahme.
Hinweise zur Handhabung der herausnehmbaren
Apparatur finden sie hier!
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