Häufig gestellte Fragen zu herausnehmbaren Spangen

In Deutschland werden zur Zeit mehrere Millionen Patienten mit herausnehmbaren Zahnklammern behandelt. Einige Fragen tauchen in diesem Zusammenhang immer wieder auf, so daß wir auf sie näher eingehen möchten.


Ist die Behandlung mit herausnehmbaren Zahnspangen schmerzhaft?
Herausnehmbare Apparaturen verursachen im Normalfall keinerlei Schmerzen. Durch die Konstruktion der Geräte kann eine Überbelastung der Zähne - und damit Schmerzen - relativ sicher vermieden werden. Nach dem Aktivieren der Bewegungselemente ("Nachstellen") kann der Patient einen leichten Druck auf den Zähnen verspüren, dieser ist jedoch nicht so stark, daß Schmerzen empfunden werden. Wird die Klammer nach dem Aktivieren weiter getragen, verschwindet das Druckgefühl innerhalb weniger Stunden.
Was allerdings gerade bei neuen Spangen vorkommen kann, sind Druckstellen, die durch die Kunststoffplatte verursacht werden. Diese befinden sich häufig im Frontzahnbereich des Unterkiefers und können sehr unangenehm sein. Hier muß der Kieferorthopäde benachrichtigt werden; er schleift die Platte an dieser Stelle ein wenig ab, so daß sie nicht mehr auf Zahnfleisch und Weichgewebe drückt.

Wie lange dauert eine kieferorthopädische Behandlung mit herausnehmbaren Spangen?
Wie lange eine kieferorthopädische Behandlung dauert, kann nur nach gewissenhafter Auswertung jedes einzelnen Falles geschätzt werden. Während kleinere Bewegungen von einzelnen Zähnen in relativ kurzer Zeit erreicht werden können, benötigen große Korrekturen von Kieferfehlstellungen zum Teil viele Jahre. Im Normalfall ist eine Behandlungsdauer zwischen 9 Monaten und z.T. mehr als 4 Jahren erforderlich. Gerade die langen KFO-Behandlungen erfordern eine sehr gute Mitarbeit des Patienten; sie kann nur durch andauernde Motivation über eine so lange Zeit aufrecht erhalten werden. 
Bei komplizierten Fehlstellungen wird der Kieferorthopäde entscheiden, ob eine Behandlung mit festsitzenden Geräten erforderlich ist. Durch sie können selbst Fälle beherrscht werden, die mit herausnehmbare Spangen nicht mehr zu beherrschen sind.

Muss die Klammer beim Essen getragen werden?
Nein. Die Klammer soll nicht während des Essens getragen werden; in der Regel ist dies auch nicht möglich, da die Kunststoffplatte ein vernünftiges Zerkleinern der Nahrung erheblich erschwert.
Die einzige Ausnahme, die es hier gibt: Beißen die Schneidezähne falsch übereinander kann es vorkommen, daß die Klammer während der Bissumstellung auch während der Mahlzeiten getragen werden muß. Dies wird der behandelnde Kieferorthopäde dann jedoch ausdrücklich anordnen.

"Ich kann mit der Klammer nicht deutlich sprechen. Kann ich etwas dagegen tun?"
Ja, und zwar üben, üben, üben. Die Zunge braucht eine gewisse Zeit, um sich an die beengten Verhältnisse anzupassen. Durch Sprechübung kann aber in den meisten Fällen innerhalb 2 Wochen eine gute und deutliche Aussprache erreicht werden. Deshalb ist es aber wichtig, daß gerade in der Anfangszeit der Behandlung jede Möglichkeit genutzt wird, um mit der Klammer im Mund zu sprechen. Auch lautes Lesen ist eine hervorragende Übung zur Verbesserung der Aussprache. Anfangs ist es ganz ratsam, ein wenig langsamer als gewöhnlich zu sprechen; so kann die neue Zungenhaltung besser eingeübt werden.

"Seit ich die Klammer trage, muß ich andauernd schlucken. Muss das sein?"
Wenn wir Nahrung zu uns nehmen, beginnt - durch den Reiz des Nahrungsbissen - automatisch der Speichelfluss. Durch den Speichel beginnt wird die Verdauung in Gang gesetzt, außerdem wird der Nahrungsbissen "gleitfähig", so daß er problemlos geschluckt werden kann.
Viele Patienten haben am Anfang der Behandlung einen erhöhten Speichelfluss. Das liegt daran, daß auch die Zahnklammer einen Reiz darstellt, der die Speicheldrüsen anregt (Diese können natürlich nicht zwischen "Essen" und "Klammer" unterscheiden!). Wird die Klammer fleißig getragen, gewöhnt sich der Mundraum an die neuen Verhältnisse - der Speichelfluss normalisiert sich innerhalb 2-3 Wochen. Ist die Mitarbeit jedoch nicht ausreichend - wenn z.B. die Klammer nur nachts getragen wird - wird stellt nie eine Gewöhnung ein. Deshalb gilt gerade in der Anfangszeit der Behandlung: Zuviel tragen gibt es nicht!

Wie lange muß die Spange mindestens pro Tag getragen werden?
Die Rechnung ist einfach:
- Der Tag hat 24 Stunden.
- Wird die Klammer getragen, werden die Zähne in die richtige Stellung gebracht. 
- Wird die Klammer nicht getragen, verschieben sich die Zähne wieder in die falsche Stellung!


Daraus folgt rein rechnerisch: 
Wird die Apparatur weniger als 12 Stunden pro Tag getragen kann man keinen Behandlungserfolg erwarten, weil sich die Zähne in der Restzeit wieder zurückschieben!
Möchte man also einen Fortschritt erreichen, muß die Klammer deutlich länger als 12 Stunden pro Tag getragen werden. Mindestmaß sind hier 14 Stunden pro Tag!
Normalerweise ordnet der Kieferorthopäde eine Tragedauer von 14-16 Stunden/Tag an, das ist ein guter Kompromiss zwischen Behandlungsdauer und privaten Interessen des Patienten (z.B. Schulzeit).
Eine Mitarbeit kann als optimal bezeichnet werden, wenn die Zahnspange nur beim Essen und beim Zähneputzen herausgenommen wird. Das entspricht einer Tragedauer von ca. 20 Stunden/Tag. In diesem Fall können schnellstmögliche Ergebnisse erwartet werden.

Können auch erwachsene Patienten mit herausnehmbaren Apparaturen behandelt werden?
Vom Prinzip her ist die Behandlung Erwachsener möglich, da Zähne noch bis ins hohe Alter bewegt werden können. Allerdings werden Erwachsenenbehandlungen mit herausnehmbaren Geräten die Ausnahme sein, und zwar aus folgendem Grund:
Mit herausnehmbaren Geräten können nur kippende Zahnbewegungen durchgeführt werden. Das ist bei Kindern und Jugendlichen nicht das Problem, da sie sich noch im Wachstum befinden und der Kiefer dementsprechend mitwächst. So können im Kindesalter viele Fehlstellungen mit herausnehmbaren Zahnspangen korrigiert werden. 
Bei erwachsenen Patienten ist das Schädelwachstum praktisch abgeschlossen. Ausgeprägte Zahnfehlstellungen können nur noch mit körperlichen Bewegungen korrigiert werden; dies erfordert den Einsatz festsitzender Geräte. In einigen wenigen Fällen ist die Fehlstellung jedoch so klein, daß auch Erwachsene mit herausnehmbaren Zahnspangen behandelt werden können. Dies ist jedoch die Ausnahme. 

Hinweise zur Handhabung der herausnehmbaren Apparatur finden sie hier!