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Die
herausnehmbare Zahnspange hat hierzulande einen hohen Stellenwert.
Wie alle anderen Behandlungsmittel haben diese Apparaturen Vor-
und Nachteile, die wir nachfolgend kurz erläutern möchten:
Während bei
festsitzenden Apparaturen gerade zu Beginn der Behandlung häufiger
unangenehmer Druck auf den Zähnen herrschen kann, ist die Behandlung
mit herausnehmbaren Geräten praktisch schmerzfrei. Der Grund liegt
u.a. in der Art der Kraftausübung: Während die Kraft einer festsitzenden
Apparatur über einen langen Weg konstant auf die Zähne einwirkt,
ist die Kraft einer herausnehmbaren Klammer sehr kurzwegig; die
Zähne werden also nicht so stark ausgelenkt wie bei einer Multibandapparatur.
Bei jeder Aktivierung der Dehnschraube einer Platte, werden die
Zähne nur ca. 0,1 mm auseinandergedrückt. Im Normalfall ist eine
Kraft über diesen kurzen Kraftweg schmerzfrei.
Dies steigert letzten Endes auch die Akzeptanz der jungen Patienten
Der kurze Kraftweg
ist auch der Grund dafür, daß die Behandlung mit herausnehmbaren
Geräten insgesamt risikoärmer als mit Multibandapparaturen verläuft.
Starke, langwegige Kräfte, wie sie z.B. bei festsitzenden Geräten
mit zu starken Bögen auftreten
können, begünstigen unter Umständen den Abbau von Zahnwurzeln
anstatt des Kieferknochens - die sog. "Wurzelresorption".
Obwohl die Kraft von herausnehmbaren Zahnklammern stärker sein kann
also z.B. einer Multibandapparatur, ist das Risiko einer Überbelastung
von Zähnen durch den geringen Kraftweg geringer.
Während man
Behandlungen mit festsitzender Apparatur meist erst nach dem Zahnwechsel
beginnen kann (also im Alter von 10 - 12 Jahren), können mittels
herausnehmbaren Geräten Behandlungen auch wesentlich früher begonnen
werden - manche Dysgnathien
lassen einen Behandlungsbeginn bereits mit 7 Jahren nötig erscheinen.
In einem solchen Fall kann die Plattenapparatur gute Dienste leisten.
Die Plattenapparatur
kann zum Zähneputzen herausgenommen werden, die Reinigung des Gebisses
ist also durch die Klammer nicht beeinflusst. Während bei Multibandbehandlungen
viel Zeit und Energie in die Zahnreinigung investiert werden muß,
reicht bei herausnehmbaren Geräten die "normale" Zahnpflege
aus, d.h. nach jeder Mahlzeit 3 Minuten bei richtiger Putztechnik.
Die Kontrolle
und gegebenenfalls das "Nachstellen" der Klammer benötigt
viel weniger Zeit als vergleichbare Termine bei Multiband-Patienten.
In der Regel wird der Patient alle 3-4 Wochen bestellt; verlässliche
Patienten, die die Dehnschraube selbst mit einem Spezialschlüssel
nachstellen dürfen, brauchen manchmal sogar nur alle 8 Wochen zu
erscheinen. Die Kontrollsitzung selbst dauert meist nicht mehr als
5-10 Minuten.
Sollte einmal ein Drahtelement abbrechen, kann die herausnehmbare
Klammer repariert werden, ohne daß der Patient dafür anwesend sein
muß.
Um das Risiko
von Verletzungen zu minimieren, kann die Plattenapparatur beim Sport
ausgelassen werden. Auch andere wichtige Gründe - wie z.B. ein Krankenhausaufenthalt
- können hierfür sprechen. Festsitzende Geräte sind nicht so einfach
kurzfristig abzusetzen.
Den unbestreitbaren Vorteilen
stehen jedoch auch einige Nachteile gegenüber.
Meiner
Meinung nach der schwerwiegendste Nachteil.
Aufgrund ihrer Konstruktion können
mit herausnehmbaren Geräten nur kippende
Zahnbewegungen durchgeführt werden, allenfalls noch geringgradige
Rotationen
im Frontzahnbereich. Diese Tatsache schränkt die Möglichkeiten der
Apparatur ein. Außerdem können Plattenapparaturen nach Abschluss
des Wachstums nur noch für wenige Zwecke eingesetzt werden; fast
immer müssen Erwachsenenbehandlungen daher mit festsitzenden Geräten
erfolgen.
Herausnehmbare
Apparaturen müssen mindestens 15 Stunden pro Tag getragen werden.
Das bedeutet zumeist, daß die Klammer außer nachts noch mehrere
Stunden am Tag getragen werden muß. Wird die Tragedauer nicht eingehalten,
so ist die Behandlung von Anfang an zum scheitern verurteilt. Diese
Tatsache erfordert eine andauernde Motivation durch Behandler und
ggfs. Eltern.
Aktive Dehnplatten
behindern die Aussprache. Durch Übung kann die Aussprache perfektioniert
werden, trotzdem ist eine Behinderung der Zunge durch Plattenkörper
und Dehnschraube nicht immer auszuschließen. Je nach Art des Gerätes
kann diese Sprechbehinderung stärker oder schwächer sein.
Im Gegensatz
zu festsitzenden Apparaturen, welche 24 Stunden in Aktion sind,
werden herausnehmbare Klammern zum Essen, beim Sport o.ä. herausgenommen.
Auch der eigentliche Vorteil der kurzwegigen Kräfte (s.o.) wirkt
sich nachteilig auf die Behandlungsdauer aus, es sei denn der Patient
darf die Dehnschraube selbst jede Woche aktivieren.
Jedoch ist auch bei guter Mitarbeit die Gesamtdauer der Behandlung
150 - 300% einer gleichen Behandlung mit festsitzenden Geräten zu
erwarten.
Ob für
einen Patienten herausnehmbare oder festsitzende Geräte in Frage
kommen, muß der behandelnde KFO nach gründlicher Überprüfung seiner
Behandlungsunterlagen klären.
Sollte jedoch beim jugendlichen Patienten die Möglichkeit bestehen,
die Behandlung mit herausnehmbaren Geräten zu meistern, dann wäre
dies die bessere Alternative. Plattenapparaturen sind im Allgemeinen
risikoärmer in der Anwendung und die wenigsten Patienten werden
mit ihr Probleme bekommen. Ist keine Motivation zum Tragen dieser
Geräte vorhanden, so sollte jedoch nicht einfach eine festsitzende
Apparatur eingesetzt werden. Ein Patient, der keine herausnehmbare
Klammer tragen möchte, wird mit Sicherheit nicht die nötige Motivation
für die oftmals langwierige und aufwändige Zahnpflege einer
Multibandapparatur aufbringen. Die hieraus entstehenden Folgen können
verheerend sein, so daß es bei unwilligen Patienten meist besser
ist, sie in ein oder zwei Jahren erneut nach einem Behandlungswunsch
zu fragen.
Schwierige Zahnfehlstellungen
im Kindesalter und so gut wie alle Erwachsenenbehandlungen müssen
mit festsitzenden Apparaturen behandelt werden; hier gibt es keine
Alternative: Multibandgeräte besitzen wesentlich umfangreichere
Möglichkeiten der Zahnbewegung (siehe auch: Wie
können Zähne bewegt werden?). Und bei guter Zahnpflege und umsichtiger
Behandlung können heute auch Schäden an Zähnen und Wurzeln weitestgehend
vermieden werden.
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