Wie wirkt die herausnehmbare Apparatur?

Herausnehmbare Plattenapparaturen werden "aktiv" genannt, wenn sie von selbst Kräfte auf die Zähne ausüben können. Hierfür werden aktive "Bewegungselemente" benötigt. Passive "Halteelemente" dagegen fixieren die Klammer auf den Zähnen und gewährleisten so den sicheren Sitz. 
Plattenapparaturen haben die Aufgabe, die Zahnbögen zu dehnen und zu strecken, sowie Fehlstellungen von Einzelzähnen auszugleichen. Sie bestehen zunächst einmal aus einer Kunststoffplatte, in der sich die Drähte und Schrauben befinden. Diese Platte besteht aus speziellem Kunststoffmaterial und wird auf einem Gipsmodell des Patienten hergestellt. Ihre Form ähnelt der Form eines Hufeisens; sie verläuft von den Schneidezahnkanten bis zu den letzten Molaren.

Sprechen mit der herausnehmbaren Zahnklammer

Kieferorthopädische Platten sollen die Sprachfunktion möglichst wenig beeinträchtigen. Durch die modernen Kunststoffe kann eine Plattendicke von 2-3 mm erreicht werden. Das Gerät stellt so für den Patienten nach kurzer Eingewöhnung keine Behinderung mehr dar. 
Eine Einschränkung ist allerdings bei Zahnklammern mit Dehnschrauben zu machen: Um die Dehnschraube stabil in die Platte zu integrieren, ist an dieser Stelle eine dickere Kunststoffschicht nötig. Außerdem entsteht durch die Aktivierung der Schraube ein Spalt, der die Sprachfunktion ein wenig stören kann.
Jedoch kann auch hier die Sprachfunktion durch regelmäßiges Sprechen und fleißiges Tragen perfektioniert werden!

Elemente der Plattenapparaturen:

Ein 1. Beispiel für eine aktive Zahnklammer sehen wir hier:
Diese Klammer wird im Oberkiefer eingesetzt und soll den Kiefer verbreitern und die mittleren Schneidezähne nach vorne bewegen. 

Aktive Elemente:

- Dehnschraube

- Protrusionsfedern

 

Passive Elemente:

- Labialbogen

- Pfeilklammer

- Knopfanker

Beispiel einer Oberkiefer-Dehnplatte

Erklärung zu den Elementen der aktiven Platte :

Dehnschraube
Die Dehnschraube ist ein aktives Element. Wird sie aktiviert, so drückt sie die Platte gegen die Zähne, die einwirkenden Kräfte sorgen für die Zahnbewegung. Dehnschrauben gibt es in vielen verschiedenen Größen und Ausführungen; so kann man für jede Art der Zahnbewegung dafür vorgesehene Schrauben anwenden. 
Die Schrauben werden entweder vom Kieferorthopäden oder vom Patienten selbst nachgestellt. Dafür bekommt der Patient einen Schlüssel, mit dessen Hilfe er die Schrauben aktivieren kann. In der Regel wird die Schraube 1 mal pro Woche um eine Viertelumdrehung nachgestellt. Diese Aktivierung drängt die Platten um insgesamt ca. 0,2 mm auseinander. Der dadurch entstehende Druck wird auf die Zähne übertragen, so kann bei ausreichender Tragedauer kann die Bewegung von Zähnen, sowie die Erweiterung des Zahnbogens erreicht werden. 
Bei guter Mitarbeit ist die Schraube nach ca. 4-6 Monaten erschöpft, d. h. in der Endposition. Sollen weitere Bewegungen durchgeführt werden, muß eine neue Klammer angefertigt werden.

 

Eine kieferorthopädische Dehnschraube
Protrusionsfedern
Protrusionsfedern werden bei der Herstellung der Klammer aus federhartem Draht gebogen. Nach der Fertigstellung liegen sie den Frontzähnen an, ohne jedoch eine Wirkung zu entfalten. Erst der Kieferorthopäde kann die Federchen aktivieren, indem er sie mit Zangen in die gewünschte Richtung biegt. Wird die Protrusionsfeder aktiviert, so drückt sie (hier im Beispiel) die mittleren Schneidezähne nach vorne; die Kräfte gehen also nur von den federnden Eigenschaften des Drahtes aus.

 

Labialbogen
Der Labialbogen kann sowohl aktiv Zahnbewegungen durchführen, als auch passiv den Zähnen anliegen. Ist Letzteres der Fall, wie im obigen Beispiel, dient der Labialbogen entweder zur Verankerung der Platte an den Zähnen oder dem Abhalten der Oberlippe. Dadurch, daß die Oberlippe durch den Bogen verdrängt wird, können z.B. Fehlfunktionen der Lippen gemindert und eine Vorentwicklung des Oberkiefers gefördert werden.
Labialbögen können allerdings auch aktiviert werden. In diesem Fall können sie vorstehende Frontzähne retrudieren, d.h. nach hinten kippen. Voraussetzung hierfür ist freilich, daß die Platte vorher vom Kieferorthopäden in diesem Bereich freigeschliffen wurde, damit sie nicht mehr den Frontzähnen anliegt. Die Aktivierung erfolgt durch die beiden Eckzahnschlaufen, welche sich im Bogen befinden. Spezielle Labialbögen können auch Einfluss auf die Eckzahnstellung nehmen, jedoch ist diese Art der Beeinflussung nicht so gut zu kontrollieren ist. Aus diesem Grund wird bei falscher Eckzahnstellung in der Regel mit festen Apparaturen behandelt.

 

Pfeilklammer
Die Pfeilklammer ist ein gebogenes Halteelement. Die kleinen Pfeile greifen in den Raum zwischen zwei Zähnen, dem sog. "Interdentalraum" und verankern die Platte dort. Die Klammer kann insofern aktiviert werden, daß der Kieferorthopäde die Pfeile bewegen, und damit (eher geringen) Einfluss auf die Zahnstellung nehmen kann - wenn der Kunststoffanteil der Platte so beschliffen wurde, daß diese Zahnbewegung möglich ist. 
Aufgrund der schwierigen Herstellung und der Gefahr des versehentlichen Verbiegens durch den Patienten wird die Pfeilklammer immer seltener angewandt.

 

Knopfanker
Der Knopfanker ist ein reines Halteelement. Der kleine Metallknopf greift in den Enterdentalraum und verankert die Zahnspange an den Zähnen. Der Knopfanker ist fabrikmäßig vorgefertigt und kann sehr einfach hergestellt werden; trotzdem ist seine Haltewirkung an bleibenden Zähnen hervorragend. 

Ein zweites Beispiel:
Die hier gezeigte Klammer dient der Dehnung des Unterkiefers.

Neben den schon bekannten Elementen, der Dehnschraube und dem Labialbogen haben wir hier Beispiele für zwei weitere Haltelemente:

 

- Adamsklammer

- Dreiecksklammer

Beispiel einer Unterkiefer-Dehnplatte

Adamsklammer

Die Adamsklammer ist ein reines Halteelement. Sie kommt meistens im Molaren- manchmal aber auch im Bereich der Prämolaren vor. Sie hat eine gute Haltewirkung, da sie den gesamten Zahn umfasst. Aus diesem Grund wird die Adamsklammer häufig angewandt wenn es gilt, kieferorthopädische Platten an Zähnen zu verankern. Durch die Umfassung des Zahnes kann die Adamsklammer das Breitenwachstum des Kiefers blockieren, weshalb sie bei aktiven Geräten immer zusammen mit einer Dehnschraube verwendet werden sollte. 
Ein Vorteil ist die Möglichkeit, nach Bruch einer Klammer den verbliebenen Klammerarm in eine Dreiecksklammer umwandeln zu können.

 

Dreiecksklammer
Die Funktion der Dreiecksklammer ähnelt der Funktion eines Knopfankers. Statt eines gegossenen Metallknöpfchens besitzt die Dreiecksklammer ein gebogenes Dreieck, welches in den Zahnzwischenraum greift und die Platte so verankert. Dieses Dreieck kann auch zur Zahnbewegung benutzt werden: Biegt man ein Ende ein wenig auf, so wird Druck auf den Zahn ausgeübt, welcher sich auf der Seite dieses aufgebogenen Stückes befindet. Eine Bewegung mit Dreiecksklammern ist jedoch nur eingeschränkt möglich und funktioniert nur, wenn vorher die entsprechenden Kunststoffanteile der Platte entfernt worden sind.

Bei der Unterscheidung zwischen aktiven und passiven Elementen muß bedacht werden, daß sich jedes Halteelement durch Verbiegen ungewollt in ein aktives Element verwandeln kann. Deshalb muß bei jedem versehendlichem Verbiegen der Drahtelemente ein Kieferorthopäde aufgesucht werden muß, der die Zahnklammer wieder in den Ursprungszustand versetzt! Ein Weitertragen könnte hier unerwünschte Zahnbewegungen ausführen!


Wirkung der herausnehmbaren, aktiven Plattenapparaturen

Wie bei allen kieferorthopädischen Geräte erfolg die Zahnregulierung durch das Einwirken von Kräften auf die Zähne. Entscheidend ist in diesem Zusammenhang die Dauer der Krafteinwirkung, nicht die Stärke der Kraft. Durch den andauernden Druck der Klammer auf die Zähne werden diese in die vorgesehene Stellung gebracht (siehe: "Zahnbewegung"). Der Druck, der durch Dehnschrauben zustandekommt ist von kurzer Dauer, deshalb müssen die Dehnschrauben in regelmäßigen Abständen vom Patienten oder vom Kieferorthopäden nachgestellt - "aktiviert" werden. Wird die Zahnklammer nicht regelmäßig getragen oder - noch schlimmer - einige Tage ganz "vergessen", so kann es sein, daß die Klammer schon nach wenigen Tagen nicht mehr passt. Mit etwas Glück kann der Kieferorthopäde das Gerät durch Zurückstellen der Schraube wieder einsetzen. Bei längerem Aussetzen muß oft ein komplett neues Gerät angefertigt werden! Aus diesen Gründen ist das fleißige Tragen der herausnehmbaren Zahnklammer dringend notwendig und der Schlüssel zum Erfolg!
Es ist auch nicht möglich, fehlende Tragezeit mit stärkeren Kräften (Nachstellen der Schraube) auszugleichen, da hierdurch lediglich Schmerzen entstehen.

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